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Dienstag, 14. November 2017

Weise Worte...

Ich muss mich aktuell der etwas unangenehmen Erkenntnis stellen, dass ich den richtigen Zeitpunkt verpasst habe. Den Zeitpunkt nämlich, an dem ich hätte die Reißleine in meinem Leben ziehen müssen.
Rückblickend war es abzusehen, aber ich habe die Augen davor verschlossen. Ich habe es nicht sehen wollen.
In den letzten Jahre ging mein Leben drunter und drüber. Mit dem Tod meines Vaters hat es angefangen. Kurz darauf eine sehr unschöne Trennung und Scheidung. Der Versuch in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Ein Versuch, der nach außen hin gut funktioniert hat.
Aber eben nur nach außen hin.
Ich stand ständig unter Strom, habe eine berufliche Veränderung nur zu gerne angenommen, da sie mich davor bewahrt hat, zu viel nachzudenken. Und ich gab alles..., und mehr.
Stress wurde mein ständiger Begleiter.
Im Privaten habe ich aber ebenfalls nicht für einen Ausgleich gesorgt. Im Gegenteil. Ich stürzte mich in ein zeitintensives Hobby, knüpfte neue Bekanntschaften und füllte meine Wochenenden mit Aktivitäten.


Rückblickend kann ich sagen:
Ich lebte am Leben vorbei, füllte lediglich meine Tage. Natürlich habe ich viele Tage davon auch genossen, habe schöne Erinnerungen gesammelt. Ich war für anderen da, für Freunde, Familie. Hatte das Gefühl, dass ich gebraucht werde. Und wuchs dadurch.
Allerdings habe ich völlig übersehen, dass auch meine Energiereserven limitiert sind. Und Nein konnte ich auch schon immer schlecht sagen.


Also habe ich weitergemacht.
Beruflich wurde es immer intensiver, immer mehr, immer stressiger. Privat sah es nicht anders aus. Veränderungen, Todesfälle... Ein großer Bruch im Freundeskreis. Entscheidungen, Neusortieren von Prioritäten. Und ich habe, wie aufgezogen, immer weitergemacht.


Das erste "Schwächeln" kam schleichend.
Dinge, die ich immer gerne gemacht habe, kosteten plötzlich unendlich viel Kraft. Die Überwindung sie zu tun wurde immer schwerer.
Und es wurde immer Schlimmer - eigentlich wollte ich nur noch alleine sein. Die Nähe von Menschen kostete mich Kraft - und im Beruf durfte das nicht auffallen. (Tut es noch immer nicht).


Ich begann mich zurückzuziehen, hinterfragt hat das niemand in meinem "Freundeskreis". Niemand schien zu bemerken, dass ich mich veränderte, immer stiller und fast schon unsichtbar wurde. Als ich plötzlich nicht mehr auf Abruf verfügbar war, wurde ich von langjährigen "Freunden" abserviert, der Kontakt wurde eingestellt. Als ich nicht mehr stets zum Helfen bereit war, wurde ich uninteressant.


Und ich fiel. Innerlich brach ich komplett in mich zusammen.
Als Single auf meinen Job angewiesen, um meine Wohnung erhalten zu können, kann ich es mir nicht leisten mich freistellen zu lassen, oder für Monate in Krankenstand zu gehen - und das habe ich nicht getan.
Interessanterweise ist es nämlich so, dass ich das gesamte Jahr über körperlich relativ fit war. Keine Erkältungen, keine Beschwerden. Im Job bringe ich auch 100% Leistung. Aber kaum raus, ziehe ich mich in mein Schneckenhaus zurück - schließe mich daheim mit meinen Katzenkindern ein. Und lasse die Welt da draußen einfach sein.
Ich kann nicht rausgehen.
Ich will nicht rausgehen.


Ich nehme mir nun endlich Zeit für mich, häkle, höre Musik und Hörbücher, denke über mich und mein Leben nach. Und damit lasse ich es gut sein. Vielleicht hätte ich das viel, viel früher machen müssen. Dann wäre das Bedürfnis nach Ruhe nun vielleicht nicht so ausgeprägt.
Denn ich spüre, dass meine Batterien sich nur sehr langsam wieder aufladen. Diesmal höre ich auf meine eigenen Bedürfnisse.

Ich werde meiner Seele die Zeit geben, die sie benötigt, und solange es sich gut anfühlt alleine zu sein, so lange werde ich die Ruhe und Einsamkeit suchen.
Auch wenn sich mein Leben nur noch bedingt dazu eignet, um darüber zu berichten...