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Sonntag, 19. Februar 2017

Ich, die Eremitin

Days Of The Week CommentsDer Alltag in einer Großstadt ist hektisch.
Ich mag Hektik nicht. Allerdings läßt sie sich in manchen Lebenslagen einfac nicht vermeiden. 
Im Job zum Beispiel... Ich arbeite ja in einem Krankenhaus, und die meisten Patienten würden es nicht gutheißen, wenn die Trulla im Sekretariat ewig braucht, um einen Brief zu schreiben, eine Bewilligung zu faxen, oder um etwas anders zu erledigen, das just jetzt und auf der Stelle geschehen soll. 

Hier kann man also schon mal nichts an Ruhe rausholen, auch wenn man natürlich alles geordnet und dadurch strukturiert abarbeiten kann. 
In der Stadt unterwegs sein... am Besten noch zur Stoßzeit. Alles andere als entspannend. Gefühle Millionen von Menschen unterwegs - und natürlich alle just in dem Bus, der Bahn, oder dem Zug, den man selbst gerade frequentieren muss. Böse Gesichter, Gemotze, Kindergeschrei - und die Gerüche, denen man allenorts ausgesetzt ist. Bäh!

Die letzten beiden Jahre waren für mich nicht einfach. Große Veränderungen im Job, Stress, Unruhe. Verluste im familiären Bereich. Ich fühlte mich immer energieloser und ohne Antrieb. Es wurde mir einfach alles zu viel. Und viele Dinge, die ich gerne machen wollte, gingen in diesem Gefühl einfach unter.
Ich liebe meinen Job. Ich liebe meine Freunde und meine Familie - und doch wollte ich einfach nur meine Ruhe haben. Am Liebsten hätte ich meine Wohnung gar nicht mehr verlassen. 
Und dann, eines Tages stellte ich mir die Frage: Wer zwingt dich denn dazu? Wo, um Himmels Willen steht geschrieben, dass du jede freie Minute mit anderen Menschen verbringen musst? Wo steht geschrieben, dass du am "Leben da draußen" aktiv teilnehmen musst? Wo steht geschrieben, dass dein Leben weniger wert ist, wenn du die Konsumtempel der Stadt nicht besuchst, wenn du deinen Kaffee gemütlich zu Hause schlürfst, und deine Batterien auffüllst? 

Bitte nicht falsch verstehen. Ich gehe raus. Ich treffe mich mit Freunden, mit meiner Familie. Ich gehe einkaufen, wenn ich etwas brauche (aber eben nur dann). Aber eben nicht jeden Tag, oder jedes Wochenende. Dafür aber genieße ich die Zeit, die ich mit jenen verbringe, die mir am Herzen liegen.

Ich habe mich zurückgezogen. In mich selbst. Und ich lerne, dass ich alleine zufrieden und glücklich bin. Dass es wenig ist, was ich wirklich brauche. Wolle ist mein Luxus - denn sie ist Werkzeug für mein liebstes Hobby, das Häkeln. Wolle und Hörbücher. Ich Häkle, lasse meine Gedanken ziehen, bin ganz bei mir... und es ist gut so. 

Ich verändere mich. Entschleunige. Lasse Ruhe und Frieden in mein Leben. Und auch, wenn ich nicht in einer einsamen Hütte in einem Wald lebe... so nenne ich mich nun eine Eremitin. Ich selbst bestimme, wen ich in mein Leben lasse. Und in welchem Ausmaß.
Ich bin alleine, aber nicht einsam. 
Ich bin einfach...
 
Bild  von Magickal Graphics

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